04. Mai 2026

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Nationalpark Schwarzwald

Bannwälder, Karseen und der Skywalk am Ruhestein. Der Nationalpark Schwarzwald beginnt vor der Haustür.

Verwittertes Totholz und Felsbrocken im schattigen Wald.

„Eine Spur wilder“ lautet das Motto des Nationalparks Schwarzwald, und treffender lässt er sich kaum beschreiben. Seit 2014 ist er das erste Schutzgebiet dieser Art in Baden-Württemberg. Seit Anfang 2026 bilden seine zuvor getrennten Teile eine zusammenhängende Fläche von gut 11.000 Hektar entlang des Hauptkamms im Nordschwarzwald.

Für Gäste in Baiersbronn ist das mehr als eine Randnotiz. Der Park beginnt praktisch hinter dem Ortsschild. Vom Obertal aus ist das Nationalparkzentrum am Ruhestein in rund einer Viertelstunde erreicht, und mit ihm eine Landschaft, in der der Mensch bewusst zurücktritt.

Natur Natur sein lassen

Das Prinzip des Nationalparks ist so einfach wie radikal. Natur Natur sein lassen. In den Kernzonen wird nicht aufgeräumt, nicht gepflanzt, nicht geerntet. Umgestürzte Stämme bleiben liegen und werden zur Kinderstube für Käfer und Spechte. Moore und Karseen entwickeln sich, wie es Wasser und Zeit vorgeben.

Wie das langfristig aussieht, zeigt der Bannwald am Wilden See. Er wurde bereits 1911 aus der Nutzung genommen und ist seit über einem Jahrhundert sich selbst überlassen, ein Urwald von morgen mitten in Mitteleuropa. Mit etwas Glück und Geduld lassen sich im Park Auerhühner und Dreizehenspechte beobachten, immer öfter auch Spuren größerer Rückkehrer.

“Hier wird Wald nicht gepflegt, sondern in Ruhe gelassen. Genau das macht ihn spektakulär.”

Hirsch mit Geweih steht auf einer Lichtung vor dem dunklen Waldrand.

Begegnung am Waldrand. Im Nationalpark hat das Wild Vorrang, Besucher bleiben auf den Wegen.

Das Nationalparkzentrum am Ruhestein

Der beste Einstieg ins Thema ist das Nationalparkzentrum am Ruhestein auf rund 900 Metern Höhe, ein markanter Holzbau, dessen verschachtelte Riegel an übereinanderliegende Baumstämme erinnern. Drinnen erzählt eine interaktive Dauerausstellung samt Kino, wie Wildnis entsteht. Der Zutritt ins Haus ist frei, nur die Ausstellung kostet Eintritt.

Der spektakulärste Teil ist der Skywalk, ein offener Steg vom Gebäude zu einem 35 Meter hohen und um 15 Grad geneigten Aussichtsturm. Von oben liegt Ihnen der Park zu Füßen, und Sie verstehen auf einen Blick, warum diese Wälder Schutz verdient haben.

Drei Pfade für den Einstieg

Wer den Park zu Fuß kennenlernen will, hat drei klassische Einstiege. Der Lotharpfad ist mit rund 900 Metern der kürzeste. Über Stege, Leitern und Aussichtskanzeln quert er eine Fläche, die der Orkan Lothar 1999 umgeworfen hat. Und er zeigt, mit welcher Kraft der neue Wald durch das alte Holz wächst.

Der Wildnispfad führt auf 3,5 Kilometern durch wilden Wald voller Wurzelteller und quer liegender Stämme, da klettert man auch mal über ein Hindernis. Der Luchspfad widmet sich auf rund fünf Kilometern dem heimlichen Rückkehrer des Schwarzwalds. Stationen entlang des Wegs erklären, wie der Luchs lebt und warum diese Wälder wieder zu ihm passen.

Sonnenbeschienene Gräser am Ufer eines dunklen Moorgewässers.

Moore und Feuchtflächen gehören zu den empfindlichsten Lebensräumen des Parks.

Mit Rangern unterwegs und ein paar Spielregeln

Am tiefsten steigt ein, wer sich einer Rangerführung anschließt. Das Jahresprogramm des Parks umfasst Hunderte Touren und Exkursionen, geleitet von Rangern und Wildnispädagogen, die meisten davon kostenfrei. Themen gibt es für jedes Alter, vom Familiennachmittag bis zur anspruchsvollen Geländetour.

Damit die Wildnis Wildnis bleibt, gelten einfache Regeln. In den Kernzonen auf den Wegen bleiben, Hunde an die Leine, nichts mitnehmen außer Fotos. Der Lohn ist ein Naturerlebnis, das im dicht besiedelten Südwesten seinesgleichen sucht, eine Viertelstunde vom Frühstückstisch im Engel Obertal entfernt.

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